Bericht Reise 2018

Anders als in den letzten Jahren fand der diesjährige Malawi-Besuch nicht in der sogenannten Fahrtenwoche vor den Herbstferien, sondern in den dieses Jahr ausnahmsweise stattfindenden Pfingstferien vom 18.05. bis zum 27.05.2018 statt. Begleitet wurde die Fahrt von ehem. Schülern des Gymnasiums Rodenkirchen (Adrian Foerster und Audrey Dunsmore sowie von zwei am Gymnasium Rodenkirchen tätigen Lehrerinnen (Carolin Pargen & Julia Klumparendt).

 

Wie auch in den Jahren zuvor wurde das Programm des Besuchs vorwiegend von der Schulleitung unserer malawischen Partnerschule in Nkhoma koordiniert und gestaltete sich durchweg sehr durchdacht, informativ und abwechslungsreich.

 

Allgemeine Informationen zu unserer Partnerschule

 

Derzeit besuchen 530 SchülerInnen die Schule und das Lehrerkollegium besteht aus 21 LehrerInnen. Darüber hinaus beschäftigt die Schule noch zehn weitere Hilfskräfte (u.a. Putzkräfte, Köche und Nachtwächter). Die Schule hat sich in den letzten Jahren hinsichtlich der AbsolventInnenzahlen, aber auch hinsichtlich der Noten der AbsolventInnen deutlich verbessert: So sind die Bestehensquoten der Abschlussprüfungen – einer der wichtigsten Indikatoren für die Qualität der Schule – deutlich gestiegen (von 19 % im Jahr 2015 auf 74 % im Jahr 2017). Außerdem wurde in den letzten Jahren zum ersten Mal eine nennenswerte Anzahl an SchülerInnen an Universitäten angenommen. Die Leistung von besonders guten SchülerInnen wird von der Schulleitung anerkannt und belohnt, indem einmal pro Term ein großes Essen zu Ehren der zehn besten SchülerInnen jeder Jahrgangsstufe veranstaltet wird. Während unseres Besuchs fand ein solches Essen statt, bei dem wir mit Freude feststellen konnten, dass viele der leistungsstarken SchülerInnen Patenkinder unseres Vereins sind.

 

Die Bibliothek

 

Der Bau der Bibliothek ist bereits sehr weit fortgeschritten und macht einen qualitativ hochwertigen Eindruck. Die Bibliothek ist sehr geräumig, hell und von innen wie von außen sehr einladend. Die Fotos und Informationen, die wir seit der Reise erhalten haben, zeigen, dass die Fertigstellung der Bibliothek nun kurz bevorsteht. Neben der guten Qualität des Baus konnten wir uns auch von den durchdachten Konzepten für die Benutzung der Bibliothek überzeugen, die zum Beispiel Diebstahl vorbeugen oder angemessen lange Öffnungszeiten garantieren sollen. So wird die Schule (aus eigenen Mitteln) u.a. eine Bibliothekarin anstellen.

 

Außenansicht der Bibliothek (links) und der Leseraum (rechts).

 

Vielfach wurde von allen Beteiligten die Wichtigkeit der Bibliothek betont, von der wir uns auch einen unmittelbaren Eindruck verschaffen konnten: Der große Lesesaal wird den SchülerInnen zum ersten Mal eine zufriedenstellende Arbeitsumgebung bieten können. Bislang stehen diesen – abgesehen von den schlecht beleuchteten und nur rudimentär möblierten Klassenräumen, die in den Abendstunden zum Lernen genutzt werden können – keine Räumlichkeiten für die Anfertigung ihrer Hausaufgaben zur Verfügung. Auch haben die SchülerInnen bislang kaum Zugang zu Büchern, da die kleine, alte Bibliothek kaum größer als 30 m² und komplett vollgestellt ist. Im letzten Jahr hat die Regierung der Schule viele Bücher zur Verfügung gestellt, die jedoch aus Platzgründen noch immer im Schulleiterbüro eingelagert sind. Dies wird sich, auch dank Ihrer Unterstützung, nun bald ändern.

 

Da der Bau der Bibliothek nun beinahe abgeschlossen, bislang aber bis auf einige Bücher und Regale, die die Schule größtenteils eigenständig akquirieren konnte, noch keine Innenausstattung vorhanden ist, soll es das Ziel der unmittelbar bevorstehenden Fundraising-Projekte (wie z.B. des am 12.07. stattfindenden Sponsorenlaufs) sein, Gelder für die Inneneinrichtung und -ausstattung der Bibliothek zu generieren.

 

Evaluation des Sanitärprojekts

 

Bezüglich des im Frühjahr 2017 fertiggestellten Sanitärblocks für die Internatsschülerinnen konnte beim Besuch festgestellt werden, dass sich dieser erfreulicherweise sowohl was die Sauberkeit, als auch was die Funktionalität anbelangt in einem sehr guten Zustand befindet. Die Lehrerin Serah Malemba ist für das Sanitärprojekt zuständig und betonte bei unserem Besuch mehrfach, wie froh sie und alle Schülerinnen über die großen, sauberen und abschließbaren Toiletten und Duschen seien, die den Mädchen eine vorher nicht dagewesene Privatsphäre verschaffen würden.

 

Schulspeisungen

 

Die Wichtigkeit des Schulspeisungsprogrammes, das im März 2016 etabliert wurde, wurde ebenfalls wiederholt betont. Das Programm zielt insbesondere auf die Dayscholars (Schüler, die nicht in den Internatsräumen leben und jeden Morgen bis zu 10 km zur Schule laufen müssen) ab. Während früher viele Dayscholars die Schule zur Mittagspause verlassen und so den Unterricht am Nachmittag verpasst haben, sind laut der Schulleitung durch die Schulspeisungen die Schülerzahlen am Nachmittag deutlich höher als in der Vergangenheit. Zudem betonten die LehrerInnen, dass die Schulspeisungen Anreize für den Schulbesuch schaffen würden, da die Ernährungssituation in der Schule nun häufig besser sei als zu Hause. Auch seien die verbesserten Resultate der SchülerInnen in den Abschlussprüfungen u.a. auch auf das Schulspeisungsprogramm zurückzuführen.

 

Treffen der Patenkinder und Besuch der Dörfer

 

Emotional besonders nachhaltig waren sowohl die Treffen mit den Patenkindern als auch der Besuch der Familien unserer Patenkinder in den Dörfern rund um Nkhoma. LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen sind voll des Lobes für die Unterstützung von zum Zeitpunkt der Reise 68 bedürftigen SchülerInnen. Beim Treffen mit den Patenkindern konnten wir deren große Dankbarkeit erfahren und uns gleichzeitig davon überzeugen, dass diese durch die Finanzierung ihrer Schul-, Unterkunfts- und Essensgebühren extrem motiviert sind und auch eine gewisse Verpflichtung ihrem/ihre Paten gegenüber verspüren. Wie zuvor bereits erwähnt, gehören viele unserer Patenkinder zu den Jahrgangsbesten.

 

In einem Dorf mit Eltern der Patenschülerinnen und -schüler und Lehrern unserer Partnerschule.

 

Bei einer Tour durch vier Dörfer konnten wir die Familien von 30 PatenschülerInnen besuchen. Dabei erfuhren wir viele tragische Geschichten: Zum Beispiel hat der Bruder einer Patenschülerin selbst die Schule verlassen, nachdem beide Eltern verstorben sind, um seinen beiden Schwestern die Schulbildung zu ermöglichen. Darüber hinaus berichteten viele Mütter davon, von ihren Männern verlassen worden zu sein oder diese verloren zu haben, weswegen sie die Finanzierung der Schulbildung ihrer Kinder nicht alleine bewerkstelligen könnten. Insgesamt fiel auf, dass in den Dörfern kaum gesunde, erwachsene Männer anzutreffen waren. Auch die Thematik HIV/AIDS war allgegenwärtig. Einige Eltern/Großeltern berichteten von ihrer eigenen Erkrankung oder derer von Verwandten/Bekannten.

 

Überwältigend war durchweg die große Dankbarkeit, die uns (stellvertretend für unseren gesamten Verein und insbesondere die Paten) entgegengebracht wurde. Abgesehen davon, dass wir mit zahlreichen Gastgeschenken in Form von Kürbissen, Reis oder Bohnen beschenkt wurden, sprachen uns eine Vielzahl der Familien ihren persönlichen Dank aus und betonten dabei, dass wir ihnen mit der Bildung, die wir ihren (Enkel-)Kindern zukommen lassen, ein Geschenk geben würden, das ihnen keiner mehr nehmen könne. Vor allem gaben uns diese Besuche der verschiedenen Dörfer die Sicherheit, dass durch unser Programm wirklich bedürftige Jugendliche unterstützt werden, welche tatsächlich aus sehr schlechten Verhältnissen kommen und auf die Unterstützung ihrer Paten angewiesen sind. Gleichzeitig konnten wir feststellen, dass es in den Dörfern eine Vielzahl weiterer Kinder und Jugendlicher im schulpflichtigen Alter gibt, die scheinbar (noch) keine Schulbildung genießen können und auch potenziell bedürftig wären. Dies bestätigte uns auch der Koordinator der Patenschaften in Malawi, Tonny Kagolo, der von zahlreichen SchülerInnen berichtete, die die Schulgebühren nur in geringen Raten oder teilweise gar nicht bezahlen könnten. Auch dahingehend hat unser Patenschaftsprojekt einen positiven Nebeneffekt, denn die zuverlässige Zahlung der Schulgebühren durch den Verein gibt der Schulleitung Planungssicherheit, sodass ihnen ein kulanter Umgang mit (kurzfristig) nicht zahlungsfähigen SchülerInnen möglich ist.

 

Insgesamt war der diesjährige Malawi-Besuch ein voller Erfolg; die bereits abgeschlossenen Projekte machen einen sehr guten Eindruck und ihre Bedeutsamkeit und ihr Nutzen wurde wiederholt bestätigt. Gleichzeitig kann auch die Progression der derzeit laufenden Projekte positiv evaluiert und der Kontakt zur Schulleitung, zur Lehrer-, Schüler- und Elternschaft konnte abermals ausgebaut und intensiviert werden

 

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!