Geschichte Malawis
Malawi, gelegen im Südlichen Afrika, war schon früh von Menschen besiedelt worden, im Norden des Landes wurde der älteste menschliche Unterkiefer der Welt gefunden. Das Fundstück ist angeblich 2,4 Millionen Jahre alt.
Vor ungefähr 1000 Jahren ließen sich die Bantu-Stämme auf dem Gebiet des heutigen Malawis nieder. Die verschiedenen Stämme führten oft Kriege untereinander. Das Königreich der Marawi, von dem das Land heute seinen Namen ableitet, war eines der wichtigsten.
Im 16. Jahrhundert gründeten die Portugiesen in Mosambik eine Kolonie, was zu einer raschen Zunahme des Sklavenhandels führte. Vorallem arabische Händler begannen, die Menschen in der Nähe des Malawisees systematisch zu versklaven und die einzelnen Stämme gegeeneinander aufzuhetzen, um sich gegenseitig zu unterjochen.
Der Höhepunkt der Sklavenjagd wurde im 18. Jahrhundert erreicht, wo sogar zwei arabische Schiffe auf dem Malawisee stationiert wurden, um die Menschen von dem einen Ufer ans andere zu bringen. Vom Südufer aus mussten die Sklaven mehrere hundert Kilometer laufen, um von der portugiesichen Handelsstation Tete aus weiter in Richtung Arabien verschifft zu werden. In Städten wie Nkhotakota entstanden zu dieser Zeit riesige Sklavenmärkte.
In Blantyre, Schottland wuchs zu dieser Zeit das Arbeiterkind David Livingstone heran. Der strebsame Junge schaffte es neben der harten Arbeit in der Baumwollspinnerei noch, sich eine Schulbildung anzueignen. Mit dem Ziel, Missionar zu werden, studierte er Medizin und ging 1840 mit der London Missionary Society nach Südafrika, um dort eine Missionsstation aufzubauen. Da er sich schnell langweite, ging er auf Reisen, entdeckte die Victoriafälle und durchquerte Afrika von West nach Ost.
Nachdem er als Held nach Großbritannien zurückgekehrt war, beschaffte er sich neues Geld und zwei Schiffe, um den Sambesi hinaufzufahren. Er scheiterte allerdings an den Stromschnellen und ging zu Fuß weiter Richtung Norden und erreichte 1859 als erster Europäer den Malawisee.
Livingstone ging nach Afrika, weil er sich von Gott dazu berufen fühlte, das Christentum zu verbreiten, er glaubte daran, dass die Afrikaner vom Christentum enorm profitieren würden. Er wurde schnell zum Freund der Einheimischen, weil er diese als ebenbürtig ansah, auch war ein großer Gegner der Sklaverei. Er war 1862 einer der ersten Europäer, der auf das Übel des Sklavenhandels aufmerksam machte.
Bei seiner Expediton durch Malawi sah Livingstone die schlimmsten Auswirkungen der Sklavenjagd. Ganze Landstriche waren entsiedelt, weil die einzelnen Stämme sich gegenseitig bekriegten um sich zu versklaven. Eine Hungersnot brach aus, weil die Menschen ihre Felder nicht mehr bewirtschafteten.
Livingstone war der festen Überzeugung, dass man Afrika kolonisieren musste, um den Sklavenhandel einzudämmen und das Christentum sowie die britische Kultur auszubreiten.
Nach dem Tod des Entdeckers beschloss die Free Church of Scottland, eine Missionsstation in Malawi zu gründen. Die „Livingstonia“ genannte Station hatte allerdings große Anfangsschwierigkeiten wie Malaria sowie Probleme mit den Einheimischen, nach einiger Zeit hingegen wurde die Misson erfolgreicher und die Kirche genoss einen großen Einfluss im Land, ihre Zweigstellen wurden vorallem wegen der guten medizinischen Hilfe aufgesucht.
1878 grüdete sich die Livingstone Central Mission Company, die als Handelsgesellschaft Schiffspassagen und Gütertransporte auftrat. Auch die Gesellschaft hatte Probleme, ihre Schutztruppen gerieten oft mit Sklavenhändlern und Aufständigen aneinander.
Deshalb war man sehr froh, als der Englische Unternehmer Cecil Rhodes mit seiner British South African Company das Gebiet erschloss und die Londoner Regierung dazu überzeugte, das Land als Njassaland unter Schutzherrschaft zu stellen.
Die Britische Herrschaft veränderte das Leben in der Kolonie gravierend; es wurde eine Hüttensteuer eingeführt (und damit die Bewohner in eine Lohnabhängigkeit gebracht), viele Missionen wurden gegründet, sodass Njassaland bald das Dichteste Missionsnetz von ganz Afrika hatte und im Shiretal wurden große Tabakfarmen eröffnet.
Auch gegen den Sklavenhandel wurde weiter vorgegangen. Die muslimischen Yao-Häuptlinge wurden vertrieben und der selbsternannte Sultan Mlozi, der aus seiner Festung den Sklavenhandel organisierte, öffentlich gehängt. So wurden Anfang des 20. Jahrhunderts alle Leibeigenen befreit.
Die Briten bauten ihre Herrschaft aus und brachten immer mehr Siedler in ihre Kolonie, in der damals nur eine Million Menschen wohnten, doch dann kam der erste Weltkrieg.
Der Krieg hatte zunächst wenig Einfluss auf Malawi, bis die Deutschen sich entschlossen, in Njassaland einzumarschieren. Die Briten reagierten und zogen mehr als hundert tausend Afrikaner als Träger und Soldaten ein, mit deren Hilfe es gelang, die Deutschen zurückzudrängen.
Während sich die britischen Truppen an der Front befanden, zettelte ein Reverend einen Aufstand gegen die Kolonialmacht an, der auch unter John Chilbewe Rising bekannt ist. Dabei griffen um die 100 Afrikaner einige Gebäude im Süden an und töteten auch einige Weiße, wurden aber schnell von der übermächtigen Kolonialmacht zurückgedrängt, die Anführer wurden hingerichtet.
Nach dem ersten Weltkrieg bauten die Briten eine Bahnverbindung zum Meer und trugen so zu einem großen Wachstum der Tabakindustrie bei. Dabei wurden die Afrikaner allerdings auf übelste Weise ausgebeutet. Zudem überlegte die Britische Kolonialregierung, Njassaland mit Rhodesien (das heutige Sambia und Simbabwe) sowie mit Tansania zu vereinigen.
Dagegen begannen sich einige wenige Malawier, die zumeist in Europa und den USA studiert hatten, zu wehren.
1944 gründeten sie den Nyasaland African Congress (Nach dem Vorbild des Südafrikanischen African National Congress), dessen Anführer bald der nach England emigrierte Dr. Hastings Banda wurde – er wurde von den Gründern des NAC eigens aus Liverpool zurück in seine Heimat geholt, weil diese sich zu jung fühlten.
Die Wichtigkeit des NAC wuchs schnell nach dem zweiten Weltkrieg (an dem Malawische Soldaten nur eine Nebenrolle spielten) – denn Banda war sehr beliebt und ein guter Redner. Banda kämpfte gegen die 1953 gegründete Zentralafrikanische Konföderation von Rhodesien und Njassaland. Die größten Unruhen ereigenten sich im Jahr 1959, wo 52 Afrikaner starben und die gesamte Führung des NAC inhaftiert wurde. Nachdem Banda nach einem Jahr wieder frei gelassen wurde, übernahm die Führung der neuen Malawi Congress Party (MCP). Die Afrikaner bekamen langsam mehr politische Recht auch weil das Vereinigte Königreich keinen Sinn mehr in den Afrikanischen Kolonien sah. So wurde die Zentralafrikanische Föderation aufgelöst und in London eine Verfassung ausgehandelt. Die MCP gewann die folgenden Wahlen haushoch und erreichte schließlich die Unabhängigkeit am 6. Juli 1964. Die MCP benannte das Land in Malawi um und deren Vorsitzender Banda wurde schnell zum Diktator.