Bild von einer unserer Reisen nach Malawi

Malawi: Machtwechsel und Klimawandel bestimmen das Land

Malawi gilt als die ärmste Demokratie der Welt – und gerade deshalb ist der jüngste politische Wandel sehr bemerkenswert. Denn trotz großer struktureller Herausforderungen wie weit verbreitetem Analphabetismus und einem schlecht ausgebauten Straßennetz wurden im September 2025 erneut friedliche und geordnete Wahlen abgehalten.

Die Präsidentschaftswahl brachte einen klaren politischen Umbruch: Peter Mutharika setzte sich mit 56,8 % der Stimmen durch und löste den amtierenden Präsidenten Lazarus Chakwera ab, der 33 % erreichte. Chakwera erkannte das Ergebnis an und leitete einen geordneten Machtübergang ein. Dies ist bereits der dritte demokratische Wechsel in Folge.
In einer Zeit, in der viele andere Länder Afrikas, besonders in der Sahelzone, unter demokratischem Rückschritt leiden, ist dieser stabile und respektvolle Übergang ein bedeutender Erfolg für Malawi.

Die Wahl fand inmitten einer schweren ökonomischen Krise statt, die das tägliche Leben vieler Menschen belastet: Hohe Inflation, Devisenknappheit, steigende Preise für Treibstoff, Lebensmittel und Dünger sowie wiederkehrende Versorgungsengpässe prägten die letzten Jahre. Dreiviertel der rund 22 Millionen Einwohner leben in extremer Armut, also von weniger als 2 Euro am Tag.

Neben den zuvor beschriebenen Krisen steht Malawi vor einer weiteren Herausforderung: Die US-amerikanische Entwicklungsagentur USAID (United States Agency for International Development) und damit verbundene Programme wurden unter Trump aufgelöst, wodurch eine zentrale Säule internationaler Gesundheits- und HIV/AIDS-Programme betroffen ist. USAID hatte in Malawi über Jahre hinweg bedeutsame Beiträge geleistet – zum Beispiel investierte die Agentur nach eigenen Angaben jährlich rund 150 Mio. US-Dollar allein im Bereich Gesundheit, Bevölkerung und Ernährung für Malawi. Diese Programme trugen dazu
bei, dass das Land erhebliche Fortschritte erzielte: Zwischen 2010 und 2019 verhinderten Gesundheitsprogramme zur Bekämpfung von HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria etwa 1,08 Mio. Todesfälle. Ferner stieg die Lebenserwartung im gleichen Zeitraum um etwa 13 Jahre bei Männern und 16,9 Jahre bei Frauen. Mit dem Rückgang dieser Unterstützung droht nun eine gefährliche Lücke in der Gesundheitsversorgung.

Vor diesem Hintergrund mag es kaum verwundern, dass die Umfragen vor der Wahl eine außergewöhnlich hohe Unzufriedenheit zeigten: Fast 90 Prozent der Bevölkerung waren überzeugt, dass sich das Land in die falsche Richtung entwickelt. Gleichzeitig hatten Klimakatastrophen – von Dürre bis zu zerstörerischen Wirbelstürmen – die ohnehin fragile Ernährungssicherheit weiter verschlechtert. All dies trug zu der Stimmung bei, dass grundlegende politische und wirtschaftliche Veränderungen nötig seien.

Der Wahlausgang zeigt uns zweierlei: Einerseits belegt er, dass demokratische Wahlen in Malawi weiterhin funktionieren und friedliche Machtwechsel möglich sind. Andererseits verdeutlichen die Ergebnisse eine tiefe Unzufriedenheit innerhalb der Bevölkerung. Für zahlreiche Wähler:innen stand weniger die politische Lagerzugehörigkeit im Vordergrund als die Hoffnung auf eine klare Verbesserung des Alltags.