Schicksale von Frauen im Malawischen Lager Dzaleka
Das Flüchtlingslager Dzaleka liegt im Distrikt Dowa in Malawi, 41 Kilometer von der Hauptstadt Lilongwe entfernt. Das UNHCR und die malawische Regierung richteten das Lager 1994 als Siedlung für Flüchtlinge ein. Ursprünglich war das Lager für 10.000-12.000 Menschen ausgelegt. Im Jahr 2025 sind es rund 58.000 Bewohner, davon 93 % Frauen oder Kinder. Fast alle Flüchtlinge in Malawi leben hier. Neue Flüchtlinge stammen ursprünglich aus der Demokratischen Republik Kongo, Burundi, Ruanda und Somalia. Das UNHCR und die malawische Regierung richteten das Lager 1994 als Flüchtlingssiedlung ein.
Das demokratische Land Malawi, das selbst zu den ärmsten Ländern der Welt gehört, nimmt hier die Rolle an, Flüchtlinge aus Ländern aufzunehmen, in denen Krieg und Unterdrückung herrschen. Schon während des Bürgerkriegs in Mosambik von 1977 bis 1992 nahm das Land mehr als eine Million Flüchtlinge aus dem Nachbarland auf, von denen die meisten später in ihre Heimat zurückkehrten.
Bisher wurden Malawi durch einige westliche Demokratien unterstützt, insbesondere durch die USA, aber diese Unterstützung ist massiv geschwunden.
Kaum mehr Chancen auf Umsiedlung
Im September 2025 berichtete The Guardian über die Zustände im Lager, die sich in den letzten Monaten deutlich verschlimmert haben. Grund sind Mittelkürzungen internationaler Geber. Die Perspektiven auf eine Umsiedlung in westliche Länder, auf die viele der Flüchtlinge hoffen, ist mittlerweilse verschwindend gering, nachdem die USA keine Flüchtlinge mehr aufnehmen. Einzige Ausnahme sind weiße Südafrikaner, von denen die US-Administration fälschlich behauptet, sie seien einem „Völkermord an Weißen“ ausgesetzt.
Seit 2021 hatte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) fast 9.000 Menschen als Kandidaten für eine Neuansiedlung vorgeschlagen. Davon haben 3.703 Malawi tatsächlich verlassen, 80 % davon in die USA. In 2025 sollten nur noch 450 Flüchtlinge umgesiedelt werden – nach Australien, Kanada und Neuseeland. Gleichzeitg verzeichnet Malawi einen verstärkten Zustrom von Flüchtlingen aufgrund der Gewalt nach den Wahlen in Mosambik.
Schicksale
The Guardian führte die Hofflungslosigkeit im Lager anhand des Schicksals dreier Frauen vor Augen, die sich zurzeit im Lager befinden. Die Namen der Frauen wurden von The Guardian geändert. Wir bleiben bei diesen geänderten Namen.
Francine
Nachdem Francine von ihrer Mutter verlassen worden war, lebte sie in Burundi bei einem Onkel, der politisch aktiv war und 2014 erschossen wurde. Bei ihrer Flucht durch ein Fenster verletzte sie sich und zittert und zuckt noch immer, wenn sie sich an die Schüsse erinnert. Aus Angst war sie 2015 allein aus Burundi nach Malawi geflohen. Um zu überleben begann Francine mit der Sexarbeit, kurz nachdem sie im Flüchtlingslager Dzaleka in Malawi angekommen war.
An Heiligabend 2022 weigerte sich ein Freier, zu bezahlen. Als sie ihm den Weg versperrte, griff er nach einem kochend heißen Topf mit Bohnen und warf ihn nach ihr, wodurch sie Verbrennungen an Hand und Brust erlitt. Ihre rechte Hand ist von einer blassen, fleckigen Verbrennungsnarbe übersät. Ihre Finger sind steif und unnatürlich gekrümmt.
Von ihrem Trauma gequält glaubt die 29-jährige Mutter von Kindern im Alter von zwei und neun Jahren, dass ihr Leben in Gefahr wäre, wenn sie nach Burundi zurückkehren würde, und fragt sich, warum sie nie – wie viele andere – für eine Umsiedlung in Betracht gezogen wurde. „Manchmal frage ich mich: ‚Warum bekomme ich nicht dieselbe Hilfe wie andere? Liegt es daran, wer ich bin, an meinem Gesundheitszustand?‘“

Zusammenbruch der Unterstützung
Mittlerweils leben in Dzaleka mehr als 58.000 Flüchtlinge, sagt der Lagerleiter Gerald Chiganda. Etwa 60 % von ihnen stammen aus der Demokratischen Republik Kongo (DRK), von wo aus monatlich bis zu 200 weitere hinzukommen.
„Wenn sich dieser Trend so fortsetzt, bedeutet das, dass wir [das Lager] nicht mehr aufrechterhalten können“, sagt er.
Malawis „Lagerpolitik“ hindert Flüchtlinge daran, legal außerhalb von Dzaleka zu leben oder zu arbeiten, wodurch sie besonders anfällig für Mittelkürzungen sind. Die Barzahlungen des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) wurden auf 50 % des für Lebensmittel benötigten Betrags gekürzt, was etwa 8 US-Dollar pro Person und Monat entspricht, sagt der WFP-Landesleiter Simon Denhere.
Denhere erklärt, die Finanzierungsprobleme hingen mit allgemeinen Kürzungen der weltweiten Gebermittel zusammen und seien nicht nur auf die Kürzung der US-Hilfe durch die Trump-Regierung in 2025 zurückzuführen.
In 2024 trugen die USA 59 % zum 8-Millionen-Dollar-Budget des UNHCR für Malawi bei. In 2025 belief sich dieser Anteil auf 11 % des drastisch verringerten Bugets von 4,8 Millionen Dollar, und das UNHCR, das die Verwaltung der Lagerschule und des Krankenhauses an die malawische Regierung übergeben hat, reduzierte seine Belegschaft von 44 auf drei Mitarbeiter.
Anne
Anne, die vor 22 Jahren vor Morddrohungen in Ruanda floh, engagierte sich bislang im Bereich häuslicher Gewalt. Im Mai 2025 verlor sie aufgrund der Mittelkürzungen ihren Job.
Sie sagt, der wirtschaftliche Druck habe zu einem Anstieg der Sexarbeit, der Fälle häuslicher Gewalt und der Kinderdiebstähle geführt. Die Mutter von sieben Kindern, engagiert sich weiterhin ehrenamtlich und schätzt, dass sie pro Woche vier bis sechs Opfer häuslicher Gewalt betreut – doppelt so viele wie noch vor zwei Jahren. „Die Fallzahlen sind viel zu hoch“, sagt sie.
Malawi plant den Bau eines neuen Lagers nahe der tansanischen Grenze, mehr als 400 Meilen (etwa 650 km) nördlich von Dzaleka, mit Ackerland für Flüchtlinge. Anne und andere Flüchtlinge sagen jedoch, dass sie in Dzaleka bleiben wollen. „Das ist, als würde man ein neues Leben beginnen“, sagt sie.
Judith
Judith floh 2016 aus Lubumbashi im Süden der Demokratischen Republik Kongo, nachdem bewaffnete Männer ihre Eltern getötet hatten. Mit gerade einmal 14 Jahren musste sie sich um ihre drei jüngeren Geschwister kümmern, die damals acht, neun und elf Jahre alt waren. Sie musste sich der Sexarbeit zuwenden und hat ein vierjähriges Kind, dessen Vater abwesend ist.
Auf die Frage nach ihren Hoffnungen für die Zukunft seufzt Judith, die wieder schwanger ist. „Ich weiß es nicht“, sagt sie. „Wir sehen, wie andere Menschen in ein Drittland ausreisen. Aber in all den Jahren, die wir schon hier sind, hat sich das UNHCR nie um uns gekümmert.“
Was bedeutet das für uns?
Ein demokratisches Land in dieser Region unterstützt die Menschen aus den umliegenden Ländern, in denen Unrecht und Krieg herrscht. Und das obwohl es selbst kaum über Mittel verfügt.
Jede Unterstützung, die wir in die Bildung von Menschen dieses Landes investieren, ist gut angelegt. Es sind vielleicht die Menschen, die zukünftig in der Lage sind, ihr Land, dieses wichtige Land für die Region, nach vorn zu bringen.
Quellen
The Guardian: https://www.theguardian.com
Dzaleka Refugee Camp: https://www.dzaleka.com/p/dzaleka-refugee-camp.html
Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Dzaleka_Refugee_Camp
Original-Artikel The Guardian:
Sex work and abuse: the women trapped in Malawi’s growing refugee camp



